ich möchte betonen, dass dein Ansatz/Konzept aus meiner Sicht nicht nur innovativ ist, sondern auch sehr hilfreich. Deine Erläuterung deines Ansatzes hier in diesem Verlauf macht das mir noch einmal mehr deutlich.
Ich habe Elemente deines Konzepts in das von mir schon lange Jahre vorher erworbene Methodenwissen integriert und bekomme von KlientInnen gute Rückmeldungen, auch und gerade zu deinen Elementen.
In der Aufstellerszene kursieren Aussagen, wonach deine Methode gut für Anfänger sei, die von Franz Ruppert für Fortgeschrittene.
Woher kommt das? Vielleicht ist es, wie Ela schreibt, so, dass hysterisch anmutende, frei laufende Aufstellungsszenarien den Eindruck vermitteln, dass so ein Geschehen gleichzeitig auch gut für die KlientInnen ist.
Wie kann ein realistisches Abbild deiner Arbeit kolportiert werden?
Für manche scheinen die vielleicht monoton wirkenden Aufstellungsrituale leider nach außen einfach oder für Anfänger geeignet zu wirken.
Das finde ich sehr schade, denn die Wirkungen deiner Aufstellungsarbeit sind sichtbar und jede Methode wächst durch Rückmeldungen i.d.R. ja auch mit.
Vielleicht könnte eine Evaluation auf wissenschaftlicher Grundlage ein realistischeres Bild zu den Wirkungen deiner Arbeit zeichnen.
Mit großem Interesse habe ich hier von dem "Lokalderby" gelesen. Ich möchte für alle diejenigen, die mit beiden Konzepten der beiden "Lokalgrößen" nicht so recht klarkommen, auf zwei weitere hochwirksame Tramatherapie-Verfahren hinweisen: Zum einen auf EMDR und zum anderen auf Somatic Experiencing. Ich verwende erfolgreich eine Kombination aus beiden Verfahren in meiner Praxis. Manchmal geschieht dies auch spontan, wenn der Klient während einer Aufstellung auf ein unverarbeitetes Trauma stößt.
Ich begrüße es sehr, dass es offensichtlich verschiedene Lösungswege für eine erfolgreiche Traumaverarbeitung gibt. Und ich denke, dass jeder Therapeut auch die zu seiner Methode "passenden" Klienten erhält. Andernfalls steht es ja jedem frei, den Therapeuten zu wechseln !
Liebe Sigrid, ich denke, mein Konzept ist einfach, vielleicht für manche zu einfach. Die Lösungsstrategien sind ähnlich, unabhängig von den Problemen der Klienten. Die Lösungssätze - in 5000 Aufstellung überprüft und bewährt - wiederholen sich. Eigentlich geht es ja in jeder Aufstellung - unabhängig vom Problem - um die Struktur (Grenze, eigener Raum Selbstverbindung). Deshalb wirkt das Konzept rasch, zuverlässig und ist universell verwendbar. Es kann sogar als Do it Yourself verwendet werden. Manche erleben das vielleicht als zu einfach, und vermissen die starken Gefühle. Aber was zählt ist doch, wie es Klient*in nach 2 oder 4 Wochen geht. Ja eine wissenschaftliche Evaluation wäre wünschenswert. Das ist von einem 1-Mann-Institut;-) allerdings nicht zu bewältigen. Ero
Zu #27 „Schatz“ Im Vergleich, ,das Trauma wie einen Schatz festhalten’ ist als gemeinsamer Punkt (als das tertium comparationis) nicht der Inhalt (es wird also nicht das Trauma mit einem Schatz gleichgesetzt), sondern die Heftigkeit des Vorgangs bezeichnet (da wird etwas verteidigt, als wäre es ein großer Schatz). Die Verwechslung liegt allerdings (aus mehreren Gründen) nahe, weshalb es ein das Verständnis nicht unbedingt fördernder Vergleich ist.
Gern möchte ich noch einen weiteren Aspekt hinzufügen - vielleicht ist´s schon einmal benannt worden. Das hab ich jetzt nicht überprüft. Die Aufstellung findet meines Erachtens nach nicht nur "in der Mitte" statt, also dort, wo die Stellvertreter agieren. Zur Aufstellung gehört alles: also auch die Rolle des Aufstellers in dem Moment oder Seminarteilnehmer, die noch am Rand sitzen. Vielleicht sogar auch Dinge, die ganz nebenbei passieren....eine Tasse, die umfällt, ein Handy das klingelt uvm. Alles können Hinweise auf wichtige Aspekte sein. Deshalb ist Wahrnehmungsschule für mich so wichtig. Hier bei eurem "Derby" ist ja ein Parallel-Prozess zu beobachten. Das, was jetzt hier im Forum geschieht (was ich sehr informativ finde), ist quasi die Fortsetzung der Aufstellung.
Weiterhin finde ich, dass Ruppert die Trauma-Dynamik wirklich sehr gut erforscht und dargestellt hat. Vielleicht hat er Trauma tatsächlich etwas besser "verstanden" als du. Deine Vorgehensweise jedoch bietet ein wertvolles und wichtiges Handwerkszeug an, das ich unverzichtbar finde, gerade, wenn es um verwirrende Familiendynamiken geht. Als Psychiater hast du ja vorwiegend mit Psychose-Patienten und "schweren Fällen" zu tun. So ist´s nicht verwunderlich, dass dein Fokus hier liegt und du ein elementares Mittel gefunden hast, um Menschen wieder Orientierung anzubieten. Ich nutze es immer wieder für Klienten und für mich selbst. Es scheint mir ein Schlüssel zur Heilung zu sein. Doch - wie schon auch von anderen mehrfach erwähnt - ist der Weg ´raus ein Prozess. Viele Stationen gehören dazu, und vor allem Selbst-Erkenntnis. Auf der Meta-Ebene würde ich Ruppert der Phänomänologie zuordnen und das Langlotz-Konzept dem Konstruktivismus. Beides gehört doch irgendwie zusammen: die Wirklichkeit spricht durch uns, und wir müssen lauschen, aber wir gestalten auch Wirklichkeit aktiv mit. Ruppert-Langlotz als Paket, dazu noch einen großen Batzen Wahrnehmungsschule und ständiges Hinterfragen. Es ist der weibliche Weg vom Weben und Spinnen. Der männliche Weg der Konkurrenz und des Wissens ist im Sport-Wettkampf sehr schön. Hier aber brauchts eher das Netze-Weben der alten weisen Weiber
Lieber Ero, mir fällt dazu deine These ein, man müsse die Grenze nur mit der Kraft des Tigers oder Löwen verteidigen. Doch auch ein Schmetterling mit seiner Leichtigkeit ist manchmal gefragt - oder ein listiger Fuchs - eine Schlange, eine Mücke - alles kann in dem Moment richtig sein. Je nach Qualität der Situation. Die schamansichen Krafttiere bieten ein unerschöpfliches Potential.
Aufstellungen sind für mich wie ein Musikstück: man lernt die Grundregeln (Noten, Instrument), hat evtl. noch ein paar Coaching-Tricks parat (Atmung, Standfestigkeit) und dann improvisiert man und greift intuitiv in den Werkzeugkoffer, je nach Liedart... Deine Methode ist ein Werkzeug. Rupperts Trauma-Konzepte runden das Verständnis dieser Dynamiken ab. Aber spielen können wir die Aufstellung nur, wenn wir uns wirklich der jeweiligen Energie des Anliegens anvertrauen und mit Leichtigkeit uns fallenlassen, um zu lauschen, welche Antworten wohl breits im Raum liegen. Viele Grüße Petra
lieber kollege langlotz, das mag so klingen, aber in erster linie geht es mir hier darum, aufzuzeigen, dass es neben traumaaufstellungen auch andere bewährte möglichkeiten der traumalösung gibt. und diese möglichkeiten biete wahrlich nicht nur ich, sondern auch zahlreiche andere therapeuten deutschlandweit an. mit kollegialem gruß ulrich wolters
Lieber Ero, lieber Thomas Latka das freut mich zu hören! Sehr gerne stelle ich meine Ansatz auf der Tagung vor. Ich melde mich bei dir.
Ich kann dem, was Thomas Latka geschrieben hat sehr zustimmen. Meine Erfahrung ist auch, dass die Qualität der therapeutischen Arbeit vor allen Dingen die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ausmacht: offen und gegenwärtig, in dem ein echter Kontakt statt finden kann. Sobald der Therapeut ein Ziel oder Konzept verfolgt besteht die Gefahr den Klienten zu verpassen. Die Aufstellungsarbeit ist dafür anfällig. Deshalb habe ich mich entschieden, in meiner Ausbildung, die ich anbiete viel wert darauf zu legen zu lernen, wie der Therapeut mit dem Klienten wirklich in Beziehung treten kann, wie sich wirklicher Kontakt zeigt und wlche Anzeichen es gibt, wenn wir den Klienten verpassen.
Liebe Elisabeth, da muss ich dir widersprechen. Die Klient*innen erleben das Abgeben des Traumas z.T wie einen Verlust, als ob ihnen danach etwas wichtiges fehlen würde. liebe grüsse ero
Petra schreibt: Lieber Ero, mir fällt dazu deine These ein, man müsse die Grenze nur mit der Kraft des Tigers oder Löwen verteidigen. Doch auch ein Schmetterling mit seiner Leichtigkeit ist manchmal gefragt - oder ein listiger Fuchs - eine Schlange, eine Mücke - alles kann in dem Moment richtig sein. Je nach Qualität der Situation. Die schamansichen Krafttiere bieten ein unerschöpfliches Potential. Liebe Petra, ich kennen diese Bedenken. Daher zu diesem zentralen Thema einige kurze Bemerkungen. Auch wenn es in manchen Beziehungen genügen mag, dem sensiblen Partner mit einem Hochziehen der Augenbrauen eine Grenze zu zeigen, so ist es nach meiner Einschätzung entscheidend, dass man sein Potential des Tigers kennt und gegebenenfalls einsetzen kann! Und dass man nicht vor Schreck umfällt, wenn einmal der Partner seinen Tiger zeigt. Wir haben in uns dies "Tigerpotential". Das sind "die Spielregeln der Tiger", das ist sehr gesund und Ausdruck unserer "Resilienz". Einer Schülerin hat das real sehr geholfen: als sie alleine in ihrer Wohnung nachts aufwachte, hörte sie zwei Einbrecher. Und ohne zu überlegen liess sie den eingeübten Tigerschrei los - und die Einbrecher verschwanden sofort! Allerdings wird das Zeigen der eigenen Kraft durch eine symbiotische Sehnsucht nach Harmonie oft gebremst, genauer durch das unbewusst verinnerlichte Abgrenzungsverbot. Und diese blockierte Kraft wird dann destruktiv und richtet sich gegen sich selbst, macht depressiv und krank. Diese in ihrer Kraft blockierten Menschen dabei zu unterstützen, ihr Kraftpotential wieder "gesund" in der Abgrenzung einzusetzen, ohne dabei ihr Selbstwertgefühl zu verletzen, ist eine Gratwanderung und erfordert ein besonderes "Fingerspitzengefühl". Herzlich Ero