DIE VERFÄLSCHUNG VON JESU´ BOTSCHAFT DURCH DIE KIRCHE ALS TRAUMA-BEDINGTES ÜBERLEBENSPROGRAMM UND KOLLEKTIVE TRAUMATISIERUNG DURCH EINE TOXISCHE KIRCHENDOKTRIN ?
Überlegungen eines sytemischen Trauma-Therapeuten
Einführung Die Existenz bedrohenden kollektiven Krisen der Gegenwart zwingen uns dazu, lange vertraute Überzeugungen kritisch zu hinterfragen - auch wenn der Abschied von Illusionen sehr schmerzlich ist. Als systemischer Traumatherapeut hatte ich Gelegenheit, die komplexen Mechanismen toxischer Beziehungsmuster genauer zu beobachten und zu verstehen, wie sie unbewusst das Erleben und Verhalten der Betroffenen prägen konnten. Dadurch geschult wage ich es, überkommene Machtstrukturen kritisch zu analysieren, um aufzuzeigen, wie wirkungsvoll sie durch geschickte Manipulationen ihre Macht vergrössern, auf Kosten des Gemeinwohls, und damit unsere Zukunftund die unserer Kinder gewissenlos aufs Spiel setzen.. Wenn sie, liebe ZuhörerInnen bereit sind, eigene liebgewordene Denkgewohnheiten zu hinterfragen, dann lade ich sie ein zu einer Reflexion. Wir spannen einen grossen Bogen, beginnend bei unseren Erkenntnissen zum frühen individuellen Bindungstrauma von heute, über den Menschen Jesus und seine revolutionäre Botschaft vor 2000 Jahren, über deren Veränderung durch die Amtskirche, um römische Staatsreligion werden zu können, bis zu deren noch heute traumatisierenden Doktrin. Diese Doktrin verstehen ich als Prototyp eines hierarchisch-narzisstisch geprägten Konstruktes, welches noch heute toxisch unsere Gesellschaft bestimmt. Das tiefere Verständnis dieser verwirrenden Zusammenhänge erlaubt eine bessere Orientierung.
I.Heutige Bindungstraumata I.1. Selbstwert durch die Erfahrung von Wertschätzung Als Traumatherapeut bin ich täglich konfrontiert mit den Verwirrungen meiner Klienten, die sich erklären lassen als Anpassungsreflexe an die Realität traumatisierender Eltern. Die Entwicklung eines gesunden, „intrinsisches“ Selbstwertgefühl erfordert, dass Eltern ihr Kind spüren lassen, dass es wert ist geliebt zu werden, so wie es ist. Dazu gehört, dass Eltern dessen Grenzen respektieren, und es nicht für eigene Probleme verantwortlich machen. Dann kann das Kind ein Bewusstsein entwickeln für einen eigenen Raum, Das ist dir Voraussetzung für Selbst-Verbindung und die Entwicklung von Selbst-Bestimmung: Autonomie. Eltern, die selber traumatisiert sind, und keine bedingungslose Liebe erfahren haben, können auch ihrem Kind nicht diese Zuwendung und Liebe geben. Im Gegenteil- sie erwarten oft vom Kind die Zuwendung und Anerkennung, die sie als Kind nicht bekommen haben („Parentisierung). Entweder fühlen sie sich durch die Bedürfnisse des Kindes überfordert , ziehen sich emotional zurück und machen das Kind für ihre Probleme verantwortlich, werten es ab, beschuldigen es oder stellen sein existenzrecht in Frage. Oder sie versuchen es besser zu machen als die eigene Eltern. Sie mischen sich übergriffig in die Angelegenheiten des Kindes ein und verwöhnen es, sodass es nicht lernen kann, eigenveranwortlich für sich selber zu sorgen.
I.2. „Falsches Selbst“ als Anpassung an eine traumatisierende Umgebung Unter diesen Gegebenheiten ist es für ein Kind unmöglich, ein gesundes intrinsisches Selbstwertgefühl zu entwickeln – ein verinnerlichtes „wahres Selbst“ an dem es sich orientieren kann. Da erzeugt dann ein Überlebens-Instinkt durch unbewusste Anpassungs-Reflexe ein „Überlebensprogramm“, das unbewusst im Stammhirn gespeichert wird. Es entspricht dem, was Winnicott1 „das falsche Selbst“ nannte. Es bestimmt – am Bewusstsein vorbei – das Selbstbild, das Erleben und das Verhalten – wie ein Instinkt. Daher lässt es sich nur mühsam verändern.
Diese individuellen Anpassungsreflexe sind erstaunlich stereotyp. Sie betreffen sowohl die emotional-kindliche Seite (und damit die rechte Hirn-Hemisphäre) als auch das „Alltags-Ich“ (Fokus, linke Hirn-Hemisphäre, die für das Bewusstsein zuständig ist). Aber in unterschiedlicher Weise.
I.2.1. Selbstverleugnung Ein Kind, angewiesen auf die freundliche Zuwendung seiner Bezugspersonen, lernt Reflex-mässig alles zu unterdrücken, was „nicht erwünscht“ oder sogar verboten ist. Das erklärt die massive Unterdrückung von „intrinsischem“ Selbst-Wert, von spontanen Gefühlen (Schmerz, Angst, Wut, Hass) und Bedürfnissen. Nicht selten wird auch die eigene unabhängige Wahrnehmung und die eigene Einsicht (Vernunft) als „verboten“ unterdrückt. Die Betroffenen verlieren dadurch ihren inneren Kompass, ihre „intrinsische“ Orientierung. Diese Aspekte fassen wir zusammen als „Selbst-Verleugnung“.
I.2.2. Magisch-grandiose Strategien Um dennoch die Zuwendung der Bezugspersonen zu gewinnen, lernt ein Kind „mit 1000 Antennen“ zu spüren, was die Bezugspersonen erwarten, was sie denken und fühlen, um sich besser an diese Erwartungen anpassen zu können. Das ist verbunden mit Unterordnung und vorauseilendem Autoritätsgehorsam. Wenn eine intrinsischen Orientierung nicht möglich ist, bedarf es einer extrinsischen Orientierung nach Aussen. Wenn die Betroffenen kein „intrinsisches“ Selbstwertgefühl entwickeln konnten, dann bietet ihnen dies Programm die Chance sich nützlich und wertvoll zu fühlen. Sie verlieren die Verbindung mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Damit verlassen sie den Boden der Realität und begeben sich auf „höhere Ebenen“: flüchten sich in Fantasie-Welten, oder in Parallelwelten, um das reale Elend nicht spüren zu müssen. Das ist der Boden, auf dem magisch-grandiose Helfer- und Retter-Fantasien entstehen, verbunden mit dem - heimlichen – Gefühl, den anderen überlegen zu sein. Da die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse „verboten“ ist - um für andere nützlich zu sein – kommt die gesunde Selbstfürsorge zu kurz.
I.3. Folgen dieses Überlebensprogramms I.3.1.Trauma-Bindung Ohne intrinsischen Selbstwert jedoch ist es unmöglich, wahre Liebe anzunehmen-oder zu geben. Daher ist eine Bindung durch wahre, absichtslose Liebe in diesen traumatisierten Familienkollektiven nicht möglich. An deren Stelle tritt dann eine „Bindung durch Leid“, oder Trauma-Bindung. Da gibt es mehrere Varianten: Ein eigenes Trauma – z.B. mit dem Vater - wird „festgehalten“, als wäre es ein Teil der eigenen Identität, als wäre es nur auf diese Weise möglich, mit dem Täter-Vater sich verbunden zu fühlen. Ein fremdes Trauma einer geliebten Bezugsperson wird übernommen – „verinnerlicht“ – um sich mit dieser Person verbunden zu fühlen. Das wird von den Beteiligten irrtümlich als Loyalität oder gar als „Liebe“ verstanden. Oder ein Kind „kreiert“ ein ähnliches Trauma wie die geliebte Bezugsperson, um sich ihr nahe und verbunden zu fühlen. Ein Beispiel zeigt diese bizarre Dynamik: Erlebte die liebe Oma auf der Flucht sexuelle Gewalt, dann geschieht der Enkelin ein ähnliches Trauma. Dahinter könnte die (meist) unausgesprochene Vorstellung wirken: „Jetzt bist du nicht mehr alleine mit deinem Trauma“, oder „jetzt bin ich wie du“.
I.3..2. Symbiosemuster, Depression, Verwirrung Ohne Selbstwertgefühl ist es unmöglich, dass eine Bindung durch gegenseitige Anziehung entsteht. Stattdessen sind Beziehungen geprägt durch Anpassung und gegenseitige Abhängigkeit. Die Wahrnehmung für Grenzen, eigene und fremde, ist nicht entwickelt. Übergriffiges Engagieren für die Bedürfnisse des Anderen wird als Empathie oder „Liebe“ missverstanden - und unausgesprochen vom Gegenüber als Ausgleich erwartet. Dadurch kommt es zu gegenseitigen Übergriffen. Berechtigter Ärger und Wut müssen unterdrückt werden, um die Illusion von „Harmonie“ nicht zu gefährden. Die gestaute Wut („Wutbombe“) kann jederzeit explodieren und sich destruktiv gegen unschuldige oder gegen sich selber richten.
Dies Programm ist verbunden mit Selbst-Überforderung, Erschöpfung bis zum Burnout, und Selbst-Abwertung. So entsteht Depression und Verwirrung.
I.3.3. Die narzisstische Variante Einige Betroffene verstehen es, diese Strategien so zu perfektionieren, dass sie zu Macht und Ansehen gelangen, trotz ihres traumatisch bedingten schlechten Selbstwertgefühls. Sie missbrauchen diese Macht, um sie rücksichtslos für eigene Vorteile zu nützen, auf Kosten der Allgemeinheit. Dabei verstehen sie es perfekt, sich als selbstlose Wohltäter der Allgemeinheit darzustellen. Sie entwickeln raffinierte Strategien, um sich für andere unentbehrlich zu machen, sodass diese von ihnen abhängig werden: Sie locken mit Versprechungen und wecken Bedürfnisse - und suggerieren, nur sie könnten diese Bedürfnisse befriedigen. Sie verstehen es subtil, das Vertrauen in die eigene Vernunft, in die eigenen Fähigkeiten in Frage zu stellen („Gaslighting“)- Sie schüren Ängste, um Andere zu verunsichern und so an sich zu binden. Sie können auch mit Gewalt drohen, um andere einzuschüchtern, damit sie ihnen nicht in die Quere kommen. Sie verstehen es, ihre Gegner zu verunglimpfen, lächerlich zu machen, zu Unrecht zu beschuldigen und scheuen dabei weder Verdrehungen noch Lügen. Wenn der andere sich wehren möchte, stellen sie sich als Opfer dar, das Empathie braucht. Gerade erleben wir es täglich, wie ein „Prachtexemplar“ dieser Variante gute Chancen hat, Präsident des mächtigsten demokratischen (!) Landes zu werden. So können wir die Wirksamkeit dieser toxischen Strategien beobachten und immer genauer erkennen.
II. Die Botschaft Jesu Jesu Leben und seine Lehre wird überliefert durch Schriften seiner Anhänger - die jedoch erst nach seinem Tod entstanden sind. Für seine Anhänger, die an das kommende Gottesreich glaubten, war es schockierend, dass er als Aufrührer von der römischen Besatzungsmacht zum Foltertod am Kreuz verurteilt wurde. Und auch sie wurden nun verfolgt als Anhänger eines verurteilten Aufrührers. Diese prekäre Lage beeinflusste natürlich die Darstellung vom Leben und Wirken des Menschen Jesus.
II.1. Zentrale Aspekte der Haltung und Botschaft Jesu Jesus war Mensch und er war ein Mann. Er hatte auch weibliche Schülerinnen, unter ihnen Maria Magdalena, von der es heisst, dass er sie liebte. Es gibt sogar ein Evangelium der Maria Magdalena. (Dass dieses später von der Amtskirche nicht anerkannt wurde und darüber hinaus Maria Magdalena als Prostituierte bezeichnet wurde, ist als Folge einer frauenfeindlichen Zensur durch eine nun patriarchale Kirche zu verstehen.) Jesus ging zu den Armen und Ausgestossenen, zu den sozial Verfemten um ihnen seine Botschaft zu bringen: „ihr seit Gottes Kinder! Was auch immer ihr getan habt, was auch immer andere von euch denken, Gott liebt euch!“ Ist das nicht so etwas wie eine „Erbwürde“? Eine grössere Würde kann man einem Menschen nicht zusprechen!
II.2. Das aramäische Vaterunser Hören wir seine Botschaft in dem Gebet, das er seine Schüler lehrte, und zwar in der von ihm gesprochenen Fassung. Hier der aramäische Originaltext seines „Vaterunser“: Mutter-Vater alles Geschaffenen. Dein Name tönt heilig durch Zeiten und Raum Dein göttliches Eins-Sein (er)schaffe in Liebe und Licht - ewig und jetzt Laß Deinen Willen durch meinen geschehen - wie im Geist, so in allem Geformten Gib uns Nahrung täglich - wie dem Körper, so der Seele Löse die Banden meiner Fehler - wie ich sie anderen löse. Laß mich nicht verloren gehen an Oberflächliches und Materielles Befreie mich von Unreife und von allem, was mich festhält und was ich festhalte. Denn Dein ist die Kraft und der Gesang des Universums - jetzt und hier und in Ewigkeit. Amen. 2
Der Inhalt unterscheidet sich wesentlich von dem uns vertrauten Text. Er orientiert sich nicht an der Vorstellung eines männlichen Schöpfergottes, der getrennt von seiner Schöpfung auf einer höheren allmächtigen Ebene existiert (Im Himmel). Durch diese Worte kommen wir in Verbindung mit dem Göttlich-Schöpferischen in uns selber. Gott und die Natur sind in Wahrheit eins.3 Gott und das Göttliche sind gar nicht getrennt von uns! In unserem Konzept der SSI verstehen wir das „wahre Selbst“ als unser Bewusstsein, dass uns die Erde, die Natur hervorgebracht hat, und trägt und nährt, bedingungslos. Dies Wissen gibt uns eine Würde, unabhängig von Leid oder Schuld der Eltern, unahängig auch von Leistung oder der Anerkennung durch Andere. In diesem Selbst-Bewusstsein wagte es Jesus, sich gegen die Mächtigen zu stellen, gegen die Hohenpriester, die ihre Macht missbrauchten, um im Namen der römischen Besatzungsmacht von der verarmten Bevölkerung den Zins einzutreiben. Und er vertrieb die Händler aus dem Tempel. Das war der Grund, warum die Menschen ihm und seiner Lehre folgten.
Und das war auch der Grund, warum die römische Besatzungsmacht ihn zum Foltertod am Kreuz verurteilte, und seine Anhänger über 300 Jahre verfolgte. Sein Tod am Kreuz zeigt, dass es damals – wie auch heute – lebensgefährlich sein kann, sich dem Machtmissbrauch der Mächtigen zu widersetzen. Umso wichtiger scheint es mir, die Würde dieser Haltung anzuerkennen. Sie ist heute notwendiger denn jemals.
III. Die Amtskirche und ihre Version von Jesus und seiner Botschaft. Ist es nicht geradezu ungeheuerlich, wie die kirchliche Doktrin die Lebensgeschichte Jesu völlig umdeutete, ja geradezu ins Gegenteil verkehrte? Aus Jesus, dem Revolutionär aus Liebe zu den Menschen wurde das willenlose Opferlamm Gottes. Aus dem demütigenden Foltertod am Kreuz für einen Aufrührer wurde eine Heilstat Gottes: der Gottes-Sohn musste am Kreuz sterben, um durch dieses Opfer die Sünden der Menschheit zu tilgen. Dazu wurde der Sündenfall aus der Schöpfungsgeschichte ausgegraben, um den Menschen eine Erb-Sünde zusprechen zu können - statt der von Jesus verkündeten Erb-Würde. Diese „Kreuzestheologie“ wirkt auf Unbefangene geradezu makaber. Umso erstaunlicher erscheint mir, dass sie weitgehend widerspruchslos akzeptiert wurde. Es gibt innerhalb der Theologen dazu nur wenige kritische Stimmen.4
III.1. Die kirchliche Doktrin als Traumabedingte Anpassungreaktion an die römische Macht? Angesichts der Christen-Verfolgungen jedoch ist diese „Umdeutung“ als Überlebensstrategie bei existentieller Bedrohung sehr verständlich. Die seitens der römischen Macht unerwünschte „aufrührerische“ Seite Jesu wurde unterdrückt, verschwiegen und geriet in den Hintergrund. Die Rolle der römischen Besatzungsmacht, der „Täter“ die Jesu Foltertod angeordnet hatte, wurde relativiert, ja geradezu gerechtfertigt, als unentbehrlich für den „göttlichen Heilsplan.“ Aus Sicht des Traumatherapeuten wäre das eine frühe Variante des „Stockholm-Syndroms“! Erst durch diese Verfälschung wurde die Doktrin der Kirche kompatibel mit der römischen Macht. Wahrscheinlich war es Paulus, der, theologisch geschult, die geschichtliche Wahrheit verfälschte. Dadurch wurde nicht nur das Dilemma gelöst, sondern die Kirche wurde „römisch“: So konnte sie 300 Jahre später zur römischen Staatsreligion werden! Das war genial! Das war spektakulär! Geradezu „jesuitisch“! Aber um welchen Preis!
Die Person und die Botschaft des Menschen Jesus wurden verfälscht, geradezu ins Gegenteil verdreht. Dieser „Christus“ der Kirche wehrt sich nicht gegen die Anmassungen der Mächtigen. Er wird zum wehrlosen, duldsamen „Opferlamm“. Und das schmähliche Ende des Menschen Jesus, seine Verurteilung als Aufrührer zum Tod am Kreuz wird umgedeutet zu einer Heils-Tat Gottes, der seinen einzigen Sohn opferte, um die Sünden der Menschheit zu tilgen. Man könnte das überspitzt so beschreiben: nachdem der Mensch Jesus von der römischen Besatzung am Kreuz ermordet wurde, war es die Kirche selber, die nun auch seine Botschaft vernichtete. Eine Kirche, die sich auf Christus beruft. Aus Trauma-dynamischer Sicht beobachten wir hier eine eigenartige Spaltung, wie wir sie auch beim individuellen Überlebensprogramm finden: einerseits Verleugnung des wahren Jesus, der es wagte sich gegen Unrecht zu wehren. Andrerseits die „magisch-grandiose Überhöhung“ eines „auferstandenen“ Christus, der sich nun auf einer höheren Ebene befindet als Gott, der an der Seite des allmächtigen Vatergottes die Welt regiert.
III.2. Die Verfälschung der Lehre Jesu als narzisstisch-patriarchale Doktrin
Erbsünde-statt Erbwürde Jesu zentrale Botschaft: „ihr seit Gottes geliebte Kinder“ wurde ins Gegenteil verkehrt: Ihr seit von Geburt an schuldig. Statt der beglückenden Botschaft Jesu: „Ihr seit Gottes Kinder!“ entstand so die angeblich „frohe Botschaft“ (eu-angelium) der Kirche: Der allmächtige Schöpfergott hat seinen eingeborenen Sohn geopfert, für euch, um eure Sünden zu tilgen!“
Warum spüren so wenige Menschen, wie unfroh eigentlich diese Botschaft ist? Wirkt da schon ein Verbot, die eigene Vernunft zu benutzen? Für diese „christliche Tugend“ gibt es sogar eine theologische Bezeichnung: „sacrificium intellectus“: das Opfer des eigenen Verstandes.
Unfroh und belastend ist diese Botschaft, weil sie • die Würde der Menschen beschädigt, da sie • Schuldgefühle erzeugt, und Menschen dazu bringt, • sich in vorauseilendem Gehorsam zu unterwerfen, und • sich für „höhere Ziele“ in den Dienst nehmen zu lassen! Der Begründer des Jesuitenordens – der „Gesellschaft Jesu“ - Ignatius von Loyola, formulierte für seine Ordensbrüder das als christliche Tugend des Gehorsams: „come un corpo muerto“. Wie ein lebloser, willenloser Körper sich dem göttlichen Willen zu unterwerfen.
Narzisstischer Machtmissbrauch Durch diese Botschaft der Erbsünde erzeugte die Kirche ein Bedürfnis nach Erlösung. Nur sie, die Kirche verfügte über die dazu erforderlichen „Gnadenmittel“: die Sakramente. Hier begegnen wir – zum ersten Mal? - einer narzisstischen Strategie: Bedürfnisse zu erzeugen, für die man selber das Monopol beansprucht. Diese Strategie verwendete auch das kapitalistische Wirtschaftssystem bis heute - mit unheimlichem Erfolg.
Das Sakrament des Abendmahls Dies Ritual eines gemeinsamen Mahls der Gemeinde soll an die Erlösung durch den Opfertod Christi erinnern. Verstärkt wird das durch die magische Vorstellung, dass sich durch das Ritual der Wandlung Brot und Wein in Fleisch und Blut des Geopferten verwandeln. Das gemeinsame Einverleiben von Fleisch und Blut Christi schafft eine Verbindung mit dem geopferten Christus. Das wird noch bekräftigt durch die Aussage, dass Christus „an unserer Stelle“ gesühnt habe, das eigentlich die Gläubigen den Kreuzestod verdient hätten. So lernen Menschen sich mit Christus, dem Opferlamm zu identifizieren. Statt mit dem „wahren“ Jesus, der sich gegen den Machtmissbrauch der Mächtige wehrte.
Dies regelmässig vollzogene Ritual hat eine unglaublich „hypnotische“ Wirkung. Über Jahrtausende vermittelte es Menschen von klein auf ein Bewusstsein von Schuld und Scham. So wurde ihnen die unschuldige Freude genommen. So wurden sie bereit, sich bedingungslos für die Interesse der Kirche - oder der Herren instrumentalisieren zu lassen. Bis vor 200 Jahren waren ca. 95% unserer Vorfahren rechtlose Leibeigene. Das Recht, Land zu besitzen hatten nur die „Herren“: der Adel und der Klerus.
Vertröstung auf die Zukunft Für die Machtentwicklung der Kirche war ein weiteres Prinzip entscheidend. Das „Jüngste Gericht“, die Bestrafung der Schuldigen und die Belohnung der Gläubigen wurde auf eine unbestimmte Zukunft verschoben. So konnte die Kirche zugleich die drastischen Strafen eines „Jüngsten Gerichts“ – und die Belohnungen der Frommen bildreich ausmalen, um die „Schäflein“ auf dem rechten Weg zu halten. Das sollte es ihnen leichter machen, das gegenwärtige Leid zu ertragen. Das erinnert an die oben erwähnte Überlebensstrategie, angesichts einer unerträglichen Alltag-Realität sich in Parallelwelten zu flüchten, um wenigstens die Illusion von Glück zu haben.
Der kleine feine Unterschied bestand jedoch darin, dass die „Herren“ schon im Diesseits, Hier und Heute feiern und prassen konnten.
Allianz von Adel und Klerus Durch diese Ausführungen hoffe ich zwei Aspekte deutlich zu machen, einerseits durch welche Strategien die verfolgte Christengemeinde der ersten Jahrhunderte überleben konnte, ja sogar zur römischen Staatsreligion werden konnte, indem sie die ursprüngliche Botschaft Jesu ins Gegenteil verkehrte. Dazu musste sie auch die Person Jesus verändern, vom „Revolutionär aus Liebe“ zum wehrlosen Opferlamm. Gleichzeitig wird deutlich, wie das damalige Überlebensprogramm der verfolgten Gemeinde zu einem wirksamen Werkzeug narzisstischen Machtmissbrauchs durch die Institution der Amts-Kirche wurde. Dieses toxische Programm bewirte eine kollektive Selbst-Entfremdung - bis heute!
Die Botschaft Jesu ist dennoch lebendig Es gibt zum Glück - auch innerhalb der Kirche – Menschen, die sich nach der ursprünglichen Botschaft Jesu orientieren, der Erbwürde eines jeden Menschen, besonders in den caritativen Bereichen. Sie tragen entscheidend zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Sie müssen nicht selten ertragen, dass ihre Tätigkeit von der Amtskirche als „Feigenblatt“ missbraucht wird, um deren Machtmissbrauch zu relativieren.
Der Feudalismus verschwand – der narzisstische Machtmissbrauch blieb Heute sind es andere Macht-Eliten, die es verstehen, die bereits bestehenden Verhaltensprogramme zu triggern, durch eine Mischung von Versprechungen, Drohungen und Verschleierung durch Lügen und Verdrehungen, und so bewirken, dass Menschen nicht erkennen, was Not-Wendig wäre, bzw. dass sie glauben, es wäre unmöglich, das zu erreichen.
Zum Schluss Es wird immer deutlicher: Die Vorstellung eines „allmächtigen Schöpfergottes“ ist widernatürlich und absurd. Es ist ein Konstrukt, geschaffen von einer patriarchalen Männergesellschaft, um ihren eigenen angemassten Macht-Missbrauch zu verschleiern und zu rechtfertigen. Es ist an der Zeit, diese Schleier zu zerreissen, damit dahinter die hässliche Fratze des patriarchalen Narzissmus sichtbar wird.
In Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ ist es ein Kind,, dessen Wahrnehmung noch unverstellt ist von den gesellschaftliche Verboten, sodass es sagen kann:
Der ist doch nackt! Sodass auf einmal alle das sehen konnten!
Heute ist es vielleicht ein 83 - jähriger Arzt, der euch die Sätze zuruft, die der bereits erwähnte Sufi-Meister IBN ARABI vor 700 Jahren formulierte: „Es gibt nur zwei Dinge zu tun; Das Not-Wendige – und das Unmögliche!“
Ich schliesse mit dem Gebet, das Jesus seine Schüler lehrte:
Du hast alles Erschaffene hervorgebracht, ohne Namen wirkst du heilig durch Zeiten und Räume. Dein göttliches Eins-Sein schafft in Liebe und Licht ewig und jetzt. Lass Deinen Willen durch meinen geschehen- im Geiste, wie im Körper. Gib uns täglich Nahrung - dem Körper, wie der Seele. Löse die Fesseln meiner Verfehlungen – wie ich sie anderen löse. Lass mich nicht verloren gehen in Oberflächlichem und Materiellen. Befreie mich von Unreife und von allem, was mich festhält, oder was ich festhalte. Denn allein Du bist die Kraft Du bist der Gesang des Universums- jetzt und hier, und in Ewigkeit. Amen
München, 28.10.2024 Ero Langlotz
--------------------------------------------------------------------------------------------------------- 1 Diesen Begriff entwickelte der britischen Psychoanalytiker und Kinderarzt Donald Winnicott (1896–1971). entwickelt wurde. Dem falschen Selbst stellte Winnicott das wahre Selbst gegenüber. (Wikipedia) 2 Nach G. Lamsa (Evangelien aus aramäischer Sicht), engl. Bearbeitung: N. Douglas-Klotz, deutsche Bearbeitung: J.E. Berendt. 3 Diese Auffassung vertrat entschieden 1100 Jahre später Ibn al-ʿArabī (*1165 in Murcia, + 16. Nov 1240 in Damaskus, ein Philosoph und Mystiker. Er wird wegen seines großen Einflusses auf die allgemeine Entwicklung des Sufismus auch asch-schaich al-akbar („Der größte Meister“) bzw. latinisiert Magister Magnus genannt. Seine Lehre von der „Einheit des Seins“ geht davon aus, dass alle Dinge im Universum Manifestationen einer einzigen „Realität“ seien. 4 Ulrich Hedinger, Kritik der Kreuzestheologie: Wider den Mythos, Jesu Ermordung bedeute das Heil der Welt, 1993, Tübingen und Doris Strahm, „Vom Kreuz mit dem Kreuze, feministisch kritische Blicke auf die Kreuzestheologie“ Vortrag Basel 2003, https://www.doris-strahm.ch/Strahm_014.htm